Peter Imbusch & Ralf Zoll (Hrsg.):

Friedens- und Konfliktforschung. Eine Einführung mit Quellen.

Buchbesprechung von Ralf E. Streibl


Opladen: Leske+Budrich, 1996. ISBN 3-8100-1650-0, DM 36.00

Endlich ein umfangreiches Handbuch zu dem Thema! - So war mein erster Eindruck, als ich das Buch, den ersten Band einer neuen Reihe zu Friedens- und Konfliktforschung, in Händen hielt. Das über 500 Seiten umfassende Werk beinhaltet 13 Beiträge und darüber hinaus 29 sogenannte "Quellentexte" - so bezeichnen die Herausgeber Textausschnitte und teilweise überarbeitete und gekürzte Artikel verschiedener AutorInnen aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft (u.a. Ulrike C. Wasmuth, Ulrich Beck, Boutros Boutros Ghali, Thomas Dominikowski, Hans Lenk, Wolfgang Schäuble, Dieter Senghaas), die zur Unterstützung und Vertiefung der einzelnen Kapitel dienen sollen. Beide Herausgeber arbeiten am Institut für Soziologie der Universität Marburg, an welcher - erfreulich in Zeiten, in denen Friedensforschung nicht unbedingt en vogue ist - ein zunächst sozialwissenschaftlich orientierter Nebenfachstudiengang "Friedens- und Konfliktforschung" entwickelt wurde.

Dem Band zugrunde liegt ein konflikttheoretischer Ansatz, der Konflikte als "ubiquitäre soziale Erscheinungen" ansieht, die zunächst weder gut noch schlecht sind. Im ersten Teil werden nach einem Überblick über die Geschichte der Friedens und Konfliktforschung (Karlheinz Koppe) zentrale Begriffe der Friedens- und Konfliktforschung erläutert. Thorsten Bonacker und Peter Imbusch erläutern auf anspruchsvolle, aber dennoch verständliche Weise verschiedene Definitionsansätze zu "Konflikt", "Gewalt", "Krieg" und "Frieden". Ein zurecht umfangreiches Kapitel (Peter Imbusch) ist "Konflikttheorien" gewidmet. Der erste - "Grundlagen" überschriebene - Teil des Buches endet mit einem Kapitel über "Friedens- und Konfliktforschung als Studiengang" (Ralf Zoll). Darin wird - neben einer Schilderung der Schwierigkeit, das Fach in Gegenstand, Theorien und Methoden zu beschreiben - die Konzeption des Marburger Studiengangs vorgestellt. Zur Ergänzung und Illustration dieses Beitrages wäre es schön gewesen, wenn an dieser Stelle auch erste Erfahrungen berichtet worden wären.

Der zweite Teil des Sammelbandes trägt die Überschrift "Konfliktanalysen". Darin finden sich - stellvertretend für verschiedene Bereiche und Ebenen - Beiträge zum Konflikt in Ex-Jugoslawien, zur deutschen Vereinigung (Peter Imbusch), zur Rahmenrichtlinie Gesellschaftslehre in Hessen, zum Thema Automobil und Umwelt, zum "Radikalenerlaß" (Ralf Zoll) und zum Abtreibungsurteil des Bundesverfassungsgerichtes (Monika Gerstendörfer). Beschlossen wird der Band mit drei Beiträgen zu Friedensethik (Michael Haspel), Friedenserziehung (Hans Nicklas) und zur Konfliktregelung auf gesellschaftlicher Ebene im Angesicht der aktuellen Bürgerkriege (Berthold Meyer).

Fazit: Der erste Eindruck trog nicht: der Sammelband ist für verschiedene Bereiche gut nutzbar und gibt einen - im Rahmen der Möglichkeiten solch eines Werkes - guten ersten Überblick über das breite Gebiet der Friedens- und Konfliktforschung aus sozialwissenschaftlicher Perspektive. Ein Bereich, der sicherlich zu kurz kam, ist die Frage des produktiven Umgangs mit Konflikten. Hier verspricht jedoch der angekündigte dritte Band der gleichen Reihe Abhilfe, "Formen der Konfliktregelung" von Berthold Meyer (Leske+Budrich 1997). Ausgesprochen ärgerlich ist allerdings das Fehlen eines Namens- und eines Sachwortregisters - gerade bei der Zielsetzung solch eines Bandes sollte man diesen Aufwand keinesfalls scheuen.



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