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Endlich ein umfangreiches Handbuch zu dem Thema! - So war mein erster Eindruck, als ich
das Buch, den ersten Band einer neuen Reihe zu Friedens- und Konfliktforschung, in Händen
hielt. Das über 500 Seiten umfassende Werk beinhaltet 13 Beiträge und darüber hinaus 29
sogenannte "Quellentexte" - so bezeichnen die Herausgeber Textausschnitte und teilweise
überarbeitete und gekürzte Artikel verschiedener AutorInnen aus Wissenschaft, Politik und
Gesellschaft (u.a. Ulrike C. Wasmuth, Ulrich Beck, Boutros Boutros Ghali, Thomas
Dominikowski, Hans Lenk, Wolfgang Schäuble, Dieter Senghaas), die zur Unterstützung und
Vertiefung der einzelnen Kapitel dienen sollen. Beide Herausgeber arbeiten am Institut für
Soziologie der Universität Marburg, an welcher - erfreulich in Zeiten, in denen
Friedensforschung nicht unbedingt en vogue ist - ein zunächst sozialwissenschaftlich
orientierter Nebenfachstudiengang "Friedens- und Konfliktforschung" entwickelt wurde.
Dem Band zugrunde liegt ein konflikttheoretischer Ansatz, der Konflikte als "ubiquitäre
soziale Erscheinungen" ansieht, die zunächst weder gut noch schlecht sind. Im ersten Teil
werden nach einem Überblick über die Geschichte der Friedens und Konfliktforschung
(Karlheinz Koppe) zentrale Begriffe der Friedens- und Konfliktforschung erläutert. Thorsten
Bonacker und Peter Imbusch erläutern auf anspruchsvolle, aber dennoch verständliche Weise
verschiedene Definitionsansätze zu "Konflikt", "Gewalt", "Krieg" und "Frieden". Ein zurecht
umfangreiches Kapitel (Peter Imbusch) ist "Konflikttheorien" gewidmet. Der erste -
"Grundlagen" überschriebene - Teil des Buches endet mit einem Kapitel über "Friedens- und
Konfliktforschung als Studiengang" (Ralf Zoll). Darin wird - neben einer Schilderung der
Schwierigkeit, das Fach in Gegenstand, Theorien und Methoden zu beschreiben - die
Konzeption des Marburger Studiengangs vorgestellt. Zur Ergänzung und Illustration dieses
Beitrages wäre es schön gewesen, wenn an dieser Stelle auch erste Erfahrungen berichtet
worden wären.
Der zweite Teil des Sammelbandes trägt die Überschrift "Konfliktanalysen". Darin finden
sich - stellvertretend für verschiedene Bereiche und Ebenen - Beiträge zum Konflikt in
Ex-Jugoslawien, zur deutschen Vereinigung (Peter Imbusch), zur Rahmenrichtlinie
Gesellschaftslehre in Hessen, zum Thema Automobil und Umwelt, zum "Radikalenerlaß"
(Ralf Zoll) und zum Abtreibungsurteil des Bundesverfassungsgerichtes (Monika
Gerstendörfer). Beschlossen wird der Band mit drei Beiträgen zu Friedensethik (Michael
Haspel), Friedenserziehung (Hans Nicklas) und zur Konfliktregelung auf gesellschaftlicher
Ebene im Angesicht der aktuellen Bürgerkriege (Berthold Meyer).
Fazit: Der erste Eindruck trog nicht: der Sammelband ist für verschiedene Bereiche gut
nutzbar und gibt einen - im Rahmen der Möglichkeiten solch eines Werkes - guten ersten
Überblick über das breite Gebiet der Friedens- und Konfliktforschung aus
sozialwissenschaftlicher Perspektive. Ein Bereich, der sicherlich zu kurz kam, ist die Frage
des produktiven Umgangs mit Konflikten. Hier verspricht jedoch der angekündigte dritte
Band der gleichen Reihe Abhilfe, "Formen der Konfliktregelung" von Berthold Meyer
(Leske+Budrich 1997). Ausgesprochen ärgerlich ist allerdings das Fehlen eines Namens- und
eines Sachwortregisters - gerade bei der Zielsetzung solch eines Bandes sollte man diesen
Aufwand keinesfalls scheuen.
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