Claudia Jenkes:

Friedensbewegung und Medien.

Buchbesprechung von Ralf E. Streibl


(Schriftenreihe "Probleme des Friedens", hrsg. von Pax Christi - Deutsches Sekretariat)

Idstein: Komzi-Verlag, 1997. ISBN 3-929522-38-1, DM 19.80

Das Buch der Diplomjournalistin Claudia Jenkes ist bewußt keine kommunikationswissenschaftliche Analyse aus der Distanz. Ihr eigenes politisches Engagement führte die Autorin zu der Fragestellung nach der "Schnittstelle zischen den Medien und sozialem Engagement" (S.9). Aufbauend auf theoretischer Überlegungen und auf der Basis von Gesprächen mit Aktiven der Friedensbewegung soll die Studie "die komplexen Auswirkungen der Massenmedien auf politisches Engagement beleuchten und zum Teil auch bewerten" (S.10). Das Buch gliedert sich in mehrere Teile: Im ersten Kapitel faßt die Autorin knapp die Geschichte der Friedensbewegung vom NATO-Doppelbeschluß bis heute zusammen und zieht eine trotz aller Rückschläge insgesamt positive Bilanz der Wirkungen: "Sie hat Spuren in der Gesellschaft hinterlassen, die nur schwer zu verwischen sind" (S.21). Die nächsten Kapitel sind der Medienkritik gewidmet, insbesondere den funktionalisierbaren Strukturen der Medienbetriebe, die von gewieften PR-Strategen genutzt werden, um für ihre Ziele "Öffentlichkeit zu machen". Jenkes beschreibt dabei zunächst die zunehmende symbolische Inszenierung von politischen Inhalten und kritisiert die "Scheinhandlungen einer Placebo-Politik" (S.26), auf die am Ende die Politiker selbst wieder reinfallen. Anschließend nimmt sie sich gezielt das "Wirtschaftsunternehmen Massenmedium" vor, und zeigt an einigen Beispielen die bestehenden Selektionsmechanismen für Nachrichten auf. Doch nicht nur gegen das abstrakte Medium richtet sich ihre Kritik, sondern auch gegen die Arbeitsweise derjenigen Medienschaffenden, deren Journalismus sich an der industriellen Produktionsweise orientiere und die vor allem erwartungskonforme Inhalte und gängige Stereotype transportieren.

An die genannten Vorüberlegungen angeschlossen ist der Bericht über eine Untersuchung der Autorin, in deren Mittelpunkt Leitfaden-Interviews mit AktivistInnen der Friedensbewegung aus dem Umfeld des Ruhrgebietes stehen. Die Inhalte dieser Gespräche sind in dem Buch in reportageartigen Zusammenfassungen wiedergegeben. Ziel der Autorin ist es - erklärtermaßen ohne Anspruch auf Repräsentativität - beispielhaft zu zeigen, welche Rolle Massenmedien im Zusammenhang mit dem friedenspolitischen Engagement dieser Menschen subjektiv spielen. In der abschließenden Bewertung ihrer Ergebnisse arbeitet Jenkes heraus, wie wichtig erfolgreiche Pressearbeit für viele politische Initiativen ist - aus erfolgreichem Medienecho kann auch neue Motivation geschöpft werden -, gleichzeitig verweist sie aber auch auf die bestehenden Gefahren einer zu starken Medienorientierung: Dies könne zum einen dazu führen, daß durch die Anpassung an die Strukturen des Medienbetriebes deren Selektionsmechanismen zunehmend die eigene politische Arbeit beeinflussen, zum anderen das medienvermittelte Bild der Friedensbewegung die Wahrnehmung der AktivistInnen stärker prägt als die tatsächlichen Gegebenheiten. Jenkes bezieht sich hier v.a. auf die mühsame, aber dennoch wichtige "Kleinarbeit" (S.92) von Aktiven der Friedensbewegung (z.B. in Ex-Jugoslawien), über die nur selten in den Medien berichtet wird. Kurz wird in dem Buch auch die Verunsicherung durch die mangelnde Glaubwürdigkeit der Medien (Bsp. Golfkrieg) angerissen und die Entmutigung vieler Aktiver durch die Kriegsbilder aus Bosnien thematisiert. Jenkes Buch ist lesenswert sowohl für diejenigen, die selbst aktiv Friedensarbeit machen, als auch für diejenigen, die sich wissenschaftlich für derartige soziale Bewegungen interessieren. Nicht zuletzt sollten sich auch viele Medienschaffende dieses Buch zu Gemüte führen - zwar ist die in dem Buch enthaltene Medienkritik nicht neu, aber anhand des Beispiels Friedensbewegung gut nachvollziehbar dargestellt.



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