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Die hochaktuelle Studie hat sich zum Ziel gesetzt, Informationen über die "neue
Bundeswehr" zu liefern, die in den letzten Jahren systematisch in eine Interventionsarmee
umgebaut wird. Pflüger beschreibt diese Entwicklung als einen Dreischritt: Zunächst die
Änderung der Strategie, eingeleitet mit den "verteidigungspolitischen Richtlinien" vom
November 1992. Es folgte die Anpassung der Struktur der Bundeswehr (hin zu einer
international einsetzbaren Eingreiftruppe, Stichwort "Krisenreaktionskräfte") - ab Mai 1993
war die Bundeswehr in Somalia, im April 1994 folgte die Verfassungsgerichtsentscheidung
zur deutschen Beteiligung an friedenssichernden Operationen der Vereinten Nationen. Als
dritten Schritt nennt Pflüger die sich an den aktuellen Beschaffungsvorhaben der Bundeswehr
zeigende Neubewaffnung. Der Weg von den "verteidigungspolitischen Richtlinien" über die
zur "Akzeptanzbeschaffung" (S.104) notwendigen humanitären Einsätze bis zum ersten
Kampfeinsatz der Bundeswehr Juli 1995 in Bosnien verlief unglaublich glatt und schnell und
wäre kaum möglich gewesen ohne die spätestens seit dem Golfkrieg feststellbare
schleichende Militarisierung der Gesellschaft. Und so enthält das Buch folgerichtig auch die
Warnung vor einer "Militarisierungsspirale", angetrieben auch von der deutschen
Rüstungsindustrie und vom Wunsch, Deutschland stärkeren Einfluß auf den außen- und
sicherheitspolitschen Bereich der EU zu verschaffen (NB: man denke auch an die Diskussion,
Deutschland einen ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat zu verschaffen). Das Buch endet mit
Überlegungen zum weiteren Vorgehen gegen die Militarisierungswelle, wobei Pflüger vor
allem den notwendigen Widerstand gegen die neuen Beschaffung- und Ausrüstungprojekte
der Bundeswehr hervorhebt. Wenn es gelingt, solche "Eisbergspitzen" zu kappen, so Pflüger,
würden damit auch wichtige Symbole der Militarisierung kippen. Insofern plädiert er auch für
Widerstand gegen die einschlägigen Aktivitäten der großen Rüstungskonzerne.
Der Autor - Fachreferent und Vorstandsmitglied der Infomationsstelle Militarisierung (IMI)
e.V. in Tübingen - hat mit diesem Buch eine gleichermaßen informative als auch interessant
zu lesende Bestandsaufnahme vorgelegt. Der große Bogen, den die Studie schlägt, wird durch
konkrete Einzelkapitel z.B. über Daimler-Benz/DASA als Hauptausrüster der neuen
Krisenreaktionskräfte oder über das "Kommando Spezialkräfte" in Calw als Elitetruppe für
den Kriegseinsatz untermauert und illustriert. Nicht zuletzt machen die eingeschobenen
Tabellen und Aufzählungen in Verbindung mit dem umfassenden aktuellem Zahlenmaterial
das handliche Buch für alle zu einem Muß, die sich in Politik, Bürgerbewegung oder
Wissenschaft mit Fragen von Krieg, Frieden, Rüstung und Militarisierung auseinandersetzen.
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