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Der nächste Schritt ist auch schon Realität: In Schweinfurt fahren keine echten Panzer durchs
Gelände - die Panzerbesatzungen trainieren in langen Reihen von Trainingsboxen. Die
einzelnen Simulatoren sind über Datenleitung miteinander verknüpft, was das gemeinsame
Training ganzer Einheiten ermöglicht. Das SIMNET erlaubt die Vernetzung von hunderten
solcher Simulationsboxen auch über Kontinente hinweg. Das Innere der Simulatoren ist dem
Orginalpanzer realgetreu nachempfunden. SIMNET-Training wird nicht als Ersatz für echtes
Feldtraining gesehen und weist auch noch Defizite z.B. im Hinblick auf die Simulation der
Umgebungsbedingungen auf. Dem soll durch das Nachfolgesystem "Close Combat Tactical
Trainer" (CCTT) abgeholfen werden, dessen Einführung von 1996 bis 1999 geplant ist. Von
solcher Detailtreue erhofft man sich zum einen bessere Lerneffekte, zum anderen wird der
Mensch - oder wie es im Jargon heißt: das "menschliche Teilsystem im Gesamtsystem von
Mensch und Maschine" - auf seine Zuverlässigkeit und Belastbarkeit getestet.
In dem 1982 entstandenen "Warrior Preparation Center" (WPC) in Ramstein werden verteilte
interaktive Computersimulationen entwickelt und durchgeführt. Nachdem 1989 erstmalig
eine NATO-weite Übung im Rahmen des "Distributed Wargaming System" stattfand,
begannen ab 1992 Übungen mit weltweit verteilten Teilnehmern: Unter dem Namen "Ulchi
Focus Lens" werden seither jährliche "Wargaming"-Übungen durchgeführt, um Verhalten
und Entscheidungsfindung unter realitätsnahen Streßbedingungen zu testen und zu trainieren.
1996 fand in diesem Rahmen eine gemeinsame interaktive Echtzeit-Simulation des "Warrior
Preparation Center" in Deutschland, dem "Korean Air Simulation Center" in Süd-Korea, der
7. Flotte der US Navy, dem "Air Force's Theater Battle Arena" im Pentagon und weiterer
Einrichtungen statt. Bis zum Jahr 2000 sollen im Rahmen des "Synthetic Theater of War"-Programms (STOW) des amerikanischen Verteidigungsministeriums mehr als 100.000
verschiedene Waffenplattformen in ein simuliertes Gefechtsfeld integriert werden. Im
Oktober 1997 soll ein erster großer Einsatz des Prototypen in Zusammenhang mit "Unified
Endeavor 98-1" stattfinden.
Ein Hauptaspekt des Trainings am Simulator ist die scheinbare Gefahrlosigkeit des Handelns:
egal welche "Fehler" sich im Verhalten oder in den Entscheidungen ereignen - das Szenario
kann erneut begonnen werden. Daneben besteht die Gefahr, daß sich bestimmte Aspekte des
Simulationsmodells vom Soldaten als normal angesehen werden. Das kann dazu führen, daß
er im wirklichen Einsatz die so gelernten Verhaltensweisen anwendet, obwohl die Situation
möglicherweise anders ist. Im Simulator wird die Wirklichkeit vereinfacht dargestellt. Solch
eine Reduzierung der Komplexität einer Situation kann zur Erreichung spezifischer
Trainingsziele hilfreich sein. Sie kann jedoch auch gezielt für eine systematische subtile
Einflußnahme auf den Soldaten im Simulator genutzt werden, wenn bestimmte Aspekte
weggelassen werden oder absichtlich weniger realistisch dargestellt werden als andere (z.B.
keine blutigen, schreienden Opfer, sondern nur Qualmwölkchen über einem zerstörten
Fahrzeug). Auch die Palette der im Simulationsmodell vorgesehenen
Handlungsmöglichkeiten beeinflußt das Erleben der Situation: militärische Simulationen sind
zumeist auf die Handhabung militärischen Geräts oder die strategische Ebene beschränkt. Die
Optimierung des Kampfverhaltens ist das zentrale Ziel. Politisch-vermittelnde Aktionen
jeglicher Art bleiben ebenso außen vor wie die Erarbeitung neuer Konfliktvermeidungs- und
Deeskalationsstrategien - erst recht in einer Zeit, in der die Bundeswehr im Eilschritt von
humanitären out-of-area-Missionen zu ihren ersten Kampfeinsätzen eilt und
Friedensmissionen der Vereinten Nationen ohne schlagkräftige "Schnelle Eingreiftruppen"
kaum denkbar scheinen.
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