Informationstechnik und Behinderung



Rezension:

"Die Firma" -
Deutsche Gebärdensprache Do it yourself

2 CD-ROM (Windows/Mac)
von Christiane Metzger, Rolf Schulmeister und Heiko Zienert.
Seedorf: Signum Verlag, 2000
ISBN 3-927731-73-0
DM 68,-

Quelle: FIfF-Kommunikation, 13. Jahrgang, Heft 2.



Gelungen! Mit diesem Wort läßt sich der erste Eindruck, aber auch eine etwas weitergehende Sichtung dieses Grundkurses Deutsche Gebärdensprache (DGS) in 11 multimedialen Unterrichtseinheiten knapp und prägnant beschreiben. Der Kurs soll den Lernenden die Kommunikation mit Gehörlosen erleichtern. Mit Blick auf Hauptanwendungsfelder sind die Lektionen des Kurses durchgängig in einer betrieblichen Umgebung angesiedelt und auf diesbezügliche Alltagsthemen abgestimmt. Erklärtes Ziel ist damit - neben der Entwicklung eines Sprachkurses - vor allem, der gesellschaftlichen Isolation Gehörloser (beispielsweise in der Arbeitswelt) entgegenzuwirken. Die Themen der Lektionen - wünschenswert wäre, wenn die Übersicht über die Lektionsinhalte nicht nur im CD-Booklet, sondern auch direkt im System zu finden wäre - bringen so den Lernenden implizit den Lebensalltag von Gehörlosen näher, sowohl, was die Schwierigkeiten (z.B. mit der deutschen Sprache, Notwendigkeit eines Dolmetschers bei Püfungen oder Betriebsversammlungen) betrifft, als auch, was ihre "Normalität" angeht, wenn gesellschaftliche Behinderungen aufgrund der Anderssprachlichkeit wegfallen.

Das Programm ist sehr übersichtlich und klar strukturiert und bietet auch Laien eine leichte Anwendbarkeit und gute Orientierung. Die professionelle Produktion zeigt sich in der ansprechenden Gestaltung der Filmszenen. Einleitung, Erklärung der Gebärdensprache und Aufwärmtraining (Lektion 1) liefern bereits wichtige Informationen über Grundsätzliches zur DGS, ihrer Kultur, Dialekten, Betonung und Grammatik und den Unterschieden zwischen verschiedenen Ländern.

Wirken die Gebärden-Dialoge der einzelnen Lektionen auf den Anfänger zunächst sehr komplex, erleichtern jedoch die logisch aufgebauten Erklärungen zur Grammatik und zu Besonderheiten der DGS (z.B. Individualität von "Gebärdennamen", dominante und nicht-dominante Hand etc.) den Zugang beträchtlich. Die Übungen sind gut und verständlich, wenn man sich die Vokabeln vorher angesehen hat. Beim Vergleich mit dem von Maisch und Wisch herausgegebenen Gebärdenlexikon (Hamburg 1998) fiel auf, daß einzelne Gebärden nicht ganz identisch oder sogar ganz unterschiedlich sind (z.B. "Schule", "lesen", "Haus"). Dies zeigt das Problem der Standardisierung: Die DGS befindet sich noch immer auf dem Weg zu einer einheitlichen Sprache, was nicht zuletzt durch die langfristige Abwertung und Ablehnung der Gebärdensprache verursacht wurde.

Die Hinweise zum Programm und seiner Benutzung (Beiheft und online) sind ausführlich und informativ. Es spricht sehr für das Programm, daß man sich weitgehend ohne diese Hilfe zurechtfinden kann. Nur wenige Details erschließen sich nicht intuitiv (z.B. die wichtige Funktion, den jeweiligen Film durch Doppelklick auf den ">"-Button in Zeitlupe anzusehen). Sehr nützlich ist die Möglichkeit, die Zeitlupengeschwindigkeit per Optionseinstellung an die persönlichen Vorlieben anzupassen.

Im Vergleich zu einem Buch erlaubt die CD-ROM eine spielerische, einfache Herangehensweise. Sie gibt einen schnellen, ganzheitlichen Eindruck von einer Gebärde, die Bewegungsrichtung wird ebenso deutlich wie die entscheidende Verbindung zwischen Grammatik und Wort. Die Lerninhalte prägen sich viel besser ein, da in thematischen Zusammenhängen gelernt wird. Alles in allem: ein sehr gutes und wichtiges Hilfsmittel!

(Ute Doeker & Ralf E. Streibl)


Alle Rechte vorbehalten!

Quelle: FIfF-Kommunikation, 13. Jahrgang, Heft 2.
Die komplette Zeitschrift kann bei der FIfF-Geschäftsstelle bestellt werden.


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Hinweise und Anmerkungen bitte an Ralf E. Streibl.
Letzte Änderung: 03.07.2000

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