Im Bremer Umland...

"Vernichtung durch Arbeit"

Führung und Lesung im U-Boot-Bunker Valentin in Farge


August 1997


Mehrere Mitglieder und Freunde der FIFF-Regionalgruppe Bremen beteiligten sich zum Antikriegstag 1997 an einer von der Internationalen Friedensschule Bremen-Vegesack veranstalteten eine Führung im Bunker Valentin. Dieser Bunker, nördlich von Bremen in Farge direkt an der Weser gelegen, wurde in 18 Monaten zwischen 1943 und 1945 aus dem Boden gestampft. Etwa 10000 bis 12000 Zwangsarbeiter arbeiteten gleichzeitig auf der Baustelle und errichteten ein architektonisches Ungetüm (über 400 Meter lang, 70-100 Meter breit, 25 Meter hoch; für den Bunker wurde soviel Beton verbaut wie für eine Stadt mit 30 000 Einwohnern, allein die Decke besteht aus 7 Meter dickem Beton). In ihm sollte eine komplette U-Boot-Werft entstehen, in der monatlich mehr als ein Dutzend U-Boote hergestellt werden sollten. Die Arbeiter stammten aus verschiedenen Lagern im Umkreis, darunter u.a. das Kriegsgefangenenlager Schwanewede, das Arbeitserziehungslager Farge und zwei Außenlager des KZ Neuengamme. Die Zwangsarbeiter mußten unter katastrophalen Bedingungen und Mißhandlungen Schwerstarbeit leisten - die SS rechnete mit einer "durchschnittlichen Verweildauer" von neun Monaten. Wieviele Menschen dort insgesamt gearbeitet haben und wieviele ums Leben kamen ist bis heute ungeklärt.

Klaas Touber aus Holland - er war Gefangener in dem der Gestapo unterstehenden Arbeitserziehungslager Farge - erzählte im Rahmen der Bunkerführung von dieser Zeit. Seine Rede im Inneren des Bunkers ließ erkennen, welch gravierende Nachwirkungen diese traumatischen Erlebnisse noch Jahrzehnte später auf die betroffenen Menschen haben.

Heute ist im vorderen Teil des Bunkers ein Marinedepot der Bundeswehr untergebracht. Anders als die seit einigen Jahren von der Bundeswehr angebotenen Führungen, stellte die Veranstaltung der Internationalen Friedensschule, an der rund 200 (!) Besucher teilnahmen, nicht das technische Bauwerk, sondern die Menschen in den Mittelpunkt. Abschließend wurde auch über den weiteren Umgang mit dem Gebäude gesprochen: Gerd Meyer von der Internationalen Friedensschule plädiert dafür, den Bunker als Mahnmal zu belassen, jedoch nicht zu nutzen (es gab im Laufe der Jahre einige absurd anmutende Ideen von der Installation von Windkraftanlagen bis hin zu einem Dachcafé). Die Bundesmarine plant das Bunkerdepot noch bis mindestens 2005 zu erhalten.

Im Oktober/November will die Internationale Friedensschule erneut eine Bunkerführung mit einem Zeitzeugen organisieren. Interessierte FIFFerlinge können sich bei der FIFF-Regionalgruppe Bremen melden - wir informieren euch dann über den genauen Termin.

Literaturhinweise:


Der U-Boot-Bunker in Bremen-Farge. Deutlich zu erkennen der von der Bundeswehr genutzte, Ende der achtziger Jahre zuletzt sanierte, östliche Teil des Bunkers.
(aus: "Fabrik für die Ewigkeit", s.o.)


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Letzte Änderung: 13.11.1998