Aktion zum Projekttag

"UniTranswehr"

prüft Projekte auf militärische Verwendbarkeit


Projekttag des Studiengangs Informatik am 11. Juli 1997


Auf dem jährlichen Projekttag des Studiengangs Informatik am 11. Juli 1997 betätigten sich Mitglieder der FIFF-Regionalgruppe Bremen, ausgerüstet mit einem T-Shirt "UniTranswehr" und einem Klemmbrett, als engagierte BefragerInnen in Sachen militärische Verwendbarkeit der (eigentlich durchwegs zivilen) Projektergebnisse. Unter dem Schlagwort "Freischuß-Diplomarbeiten" informierte "UniTranswehr" über die Möglichkeit, vierwöchige Kurz-Diplomarbeiten anzufertigen, die im Erfolgsfall voll gewertet werden, bei Mißerfolg jedoch keine Konsequenzen haben. Die Diplomarbeitsthemen müßten aus den auf dem Projekttag vorgestellten studentischen Projekten abgeleitet werden und sie sollten auf die Bedürfnisse von Bundeswehr und NATO-Partnern zugeschnitten sein. Eine finanzielle Förderung bis DM 10.000 pro Diplomarbeit sei möglich. Beteiligte der fünf studentischen Projekte und ebenso Gäste und Besucher wurden alsdann interviewt, welche Einsatzmöglichkeiten der Projektergebnisse ihnen für die Bereiche Militär und innere Sicherheit einfielen. Die Ergebnisse wurden ausgehängt. Ziel der Aktion war es, einmal mehr die Reflexion über Mißbrauchsmöglichkeiten von Forschungs- und Entwicklungsarbeiten im Informatikbereich anzustoßen.

Was als Satire gedacht war - fragten da schließlich studiengangsbekannte FIFFerlinge nach möglichen Militärkooperationen -, bekam jedoch schnell einen etwas bitteren Beigeschmack, als wir erleben mußten, daß eine gar nicht so geringe Zahl der Befragten das Angebot für echt - und interessant (!) - hielt. So klebten wir - um unsere Intention allgemein klar zu machen - in der nächsten Pause "Satire"-Schilder über die T-Shirts. Einige fühlten sich durch die Aktion ziemlich angefaßt ("Schwachsinn!") oder stellten in Frage, ob FIFF auf dem Projekttag überhaut etwas zu suchen hätte.

Für manchen Bremer FIFFerling war diese Aktion ein wenig desillusionierend, haben wir doch die Hoffnung, daß unsere regelmäßigen Aktionnen zum Thema "Rüstung und Informatik" innerhalb und außerhalb des Informatik-Studiengangs bewußtseinsbildend wirken. Insofern war es natürlich tröstlich, daß viele die Aktion auch als das erkannten, als was sie gedacht war. Doch selbst dann zeigte sich manch einer überrascht: "Ich hätte nicht gedacht, daß man nach kurzem Nachdenken zu jedem der Projekte militärische Verwendungsmöglichkeiten finden kann!", betonte beispielsweise einer der befragten Studenten.

Gekoppelt war die Aktion mit einem zentral positionierten Bücher- und Infostand der FIFF-Regionalgruppe, der insgesamt auf positive Resonanz stieß. Am Stand hingen u.a. auch Plakate mit einem Beschluß des Akademischen Senats der Universität Bremen: "Der Akademische Senat lehnt jede Beteiligung von Wissenschaft und Forschung mit militärischer Nutzung bzw. Zielsetzung ab und fordert die Mitglieder der Universität auf, Forschungsthemen und -mittel abzulehnen, die Rüstungszwecken dienen können."


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Letzte Änderung: 13.11.1998