Ausstellungsbesuch

Vernichtungskrieg.

Verbrechen der Wehrmacht von 1941 bis 1944


Juni 1997 in der Bremer Rathaushalle


"Es wird niemand leichter ein Mörder als ein Vaterland. (...)
Vaterland nennt sich der Staat immer dann,
wenn er sich anschickt, auf Menschenmord auszugehen."

Friedrich Dürrenmatt, Romulus der Große


Etwa 20 Mitglieder der FIFF-Regionalgruppe Bremen, teilweise in Begleitung von PartnerIn und Kindern, besuchten im Juni gemeinsam die Ausstellung "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht von 1941 bis 1944" des Hamburger Instituts für Sozialforschung und nahmen an einer Führung teil. Über den Aufstellungsort der bekanntlich überall für Aufregung sorgenden Ausstellung - die untere Rathaushalle in Bremen - hatte es im Vorfeld heftigen Diskussionen gegeben (Dank geht z.B. an die CDU, die so sicherlich den hohen Besucherandrang noch gesteigert haben dürfte). In der Ausstellung werden exemplarisch Verbrechen der Wehrmacht in Wort und Bild dokumentiert, wobei gerade das, was der Ausstellung oft vorgeworfen wurde - kollektive Schuldzuweisungen - bewußt vermieden wird. Jedoch wird deutlich auf die systematischen Strukturen hingewiesen, die derartige Verbrechen ermöglicht und gefördert haben. Teilweise drastische Dokumente und Photographien lassen Menschenverachtung und Zynismus deutlich werden. Überaus wichtig und informativ sind jedoch auch die Schautafeln, die sich mit der Nachkriegsauseinandersetzung beschäftigen: Zum einen wird die politische Aufarbeitung in der Bundesrepublik, der DDR und in Österreich dokumentiert. Zum anderen zeigen Beispiele aus Illustrierten und der Medienbranche allgemein (z.B. Film), wie nach dem Krieg die vorher enge Verbindung zwischen nationalsozialistischer Ideologie und Wehrmacht systematisch aufgelöst wurde - ein Indikator hierfür ist z.B. die Verwendung der jeweiligen Symbole.

Zukünftige Dokumentationen zu diesem Thema können und müssen zusätzlich den Streit um diese Ausstellung zum Thema machen, der verdeutlicht, wie wenig Auseinandersetzung (und wieviel Verdrängung und Verleugnung) bislang stattgefunden hat. Ansatzweise hat diese Reflexion mit einer Schautafel voller Zeitungsberichte zu den durch die Ausstellung ausgelösten Aufregungen begonnen. Die öffentliche Debatte um die wichtige und eindrückliche Ausstellung wurde in Bremen konstruktiv gewendet und führte zu einem umfangreichen und interessanten Begleitprogramm an Informations- und Diskussionsveranstaltungen.


Einige Literaturhinweise:

Noch drei Literaturhinweise zu einer verwandten Debatte, nämlich der um das Tucholsky-Zitat "Soldaten sind Mörder" und den Ehrenschutz für die Bundeswehr:


Die WWW-Seiten der FIfF-Regionalgruppe Bremen werden betreut von Ralf E. Streibl und Frank Drewes
Letzte Änderung: 13.11.1998