Vortragsveranstaltung

Cernsorship in Cyberspace:

What are the Issues?


am 30. Mai 1997 an der Universität Bremen


Am 30. Mai 1997 hielt Marsha Woodbury an der Universität Bremen auf Einladung der FIFF-Regionalgruppe (in Kooperation mit dem Informatik-Kolloquium der Universität) einen Vortrag mit dem Titel "Censorship in Cyberspace: What are the Issues". Marsha Woodbury ist Mitglied des Vorstands der Computer Professionals for Social Responsibility (CPSR) und arbeitet an der Graduate School of Library and Information Science der University of Illinois, Urbana-Champaign, USA.

In ihrem Vortrag stellte sie zunächst einige der nationalen und kulturellen Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Umgang mit "unerwünschten" Inhalten im Internet dar: Sie ging dabei ebenso auf die deutschen Verhältnisse und Fallbeispiele ein (z.B. als Compuserve als Reaktion auf Ermittlungen in Deutschland weltweit den Zugang zu bestimmten Newsgruppen sperrte) wie auf China, Singapur oder Saudi Arabien, die durch wenige, staatlich kontrollierte Gateways und/oder durch restriktive Auflagen für die Provider den Zugang zum Internet beschränken. Und auch in den USA, die hierzulande vor allem als Anwälte des Rechts auf freie Meinungsäußerung wahrgenommen werden, gibt es - vor allem im Bereich sexuell expliziter Inhalte und Pornographie - staatliche Eingriffe (vgl. die Diskussionen um den "Communications Decency Act"). Kritisch diskutiert wurde die Frage der Wirksamkeit solcher Zensurmaßnahmen. Marsha Woodbury: "Internet treats censorship like a damage: it's going around". Neben "Umwegen" gibt eine Reihe von Möglichkeiten, Zensurbeschränkungen zu vermeiden oder zu umgehen (z.B. Verschlüsselung, anonyme Remailer, Mirroring gesperrter Web-Sites u.a.m.) Neben staatlicher Zensur ging Marsha Woodbury in ihrem Vortrag auch auf "Commercial Censorship" ein, eine ihrer Ansicht nach aufgrund zunehmender Monopolisierungstendenzen im Medien- und Telekommunikationsbereich steigenden Gefahr: Kommerzielle Interessen bestimmen die Inhalte - sowohl was zur Schlagzeile wird als auch was (wegen Gefährdung kommerzieller Interessen) nicht weiter verbreitet wird.

Abschließend ging Marsha Woodbury auf Maßnahmen jenseits von Zensur und technischen Filtern ein und berichtete beispielsweise über das Vorgehen der American Library Association, die ausgehend von ihrem Auftrag Informationen zu vermitteln (und nicht zu unterdrücken) vorangig auf eine Erziehung zur Selbstverantwortung setzen. Neben Festlegungen in der Benutzungsordnung öffentlicher Terminals gibt es daher Sammlungen mit Links empfehlenswerter Web-Sites. Und für alle diejenigen, die sich doch das ein oder andere ansehen wollen, was vorbeigehende Besucher der Bibliothek belästigen könnte, werden die Terminals so angebracht, daß sie nicht mehr öffentlich im Blick sind.

Nach ihrem Vortrag vor ca. 40 Personen gab es noch ein sehr nettes "Postkolloquium" in einem sonnigen Biergarten, bei dem - neben vielem anderen - auch über Unterschiede und Gemeinsamkeiten von FIFF und CPSR gesprochen wurde.


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Letzte Änderung: 13.11.1998